Das Fasten als Errettung des Körpers. (Predigt vom 7. März 2026)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Liebe Brüder und Schwestern

In der heutigen Evangeliumslesung zeigt der Herr seinen Jüngern seinen auferstandenen Leib. Er sagt zu ihnen: „Seht meine Hände und meine Füsse: Ich bin es selbst. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe.“ (Lk 24,39)

Liebe Brüder und Schwestern, der Herr sagt dies, um den Aposteln die Furcht zu nehmen. Sie sollen erkennen, dass die Auferstehung kein bloss geistiges Ereignis ist, keine Erscheinung und kein Traum, sondern dass Christus wahrhaft mit dem Leib auferstanden ist. Denn gerade dieser Leib, den Christus auferweckt hat, ist auch der Leib, den er in uns heilen und zur Auferstehung führen will. Gerade deshalb ist diese Stelle in der Fastenzeit besonders bedeutsam. Denn in keiner Zeit des geistlichen Lebens wird der Leib so sehr einbezogen wie im Fasten. Mit dem Leib beginnt das Fasten – und die Heiligung des Leibes als Teil des ganzen Menschen ist auch sein Ziel.

Wenn wir das verstehen wollen, müssen wir einen Schritt zurückgehen. Die Heilige Schrift sagt über die Schöpfung: „Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte: und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31). Auch die Väter lehren deshalb, dass der Leib und die natürlichen Kräfte des Menschen gut sind. Nicht die Kräfte selbst sind schlecht, sondern ihr falscher Gebrauch.

Der heilige Maximus der Bekenner erinnert uns daran, dass Gott den Menschen so geschaffen hat, dass in ihm die sichtbare und die unsichtbare Schöpfung zusammenkommen. Der Mensch ist berufen, die ganze Schöpfung zu Gott hinzuführen. Doch durch den Fall wurde diese Ordnung umgekehrt. Anstatt die Welt zu Gott zu führen, begann der Mensch sein Heil in vergänglichen Dingen zu suchen. Der Apostel Paulus sagt, dass die Menschen „dem Geschöpf dienten statt dem Schöpfer“ (Röm 1,25).

Der heilige Maximus der Bekenner beschreibt die Folge dieses Falls sehr treffend. Mit der Abwendung von Gott ist ein Kreislauf von Lust und Schmerz in das menschliche Leben eingetreten. Der Mensch sucht Lust, um dem Schmerz zu entgehen. Doch aus der Lust entsteht neuer Schmerz, und aus dem Schmerz wiederum neue Lust. So gerät der Mensch in einen endlosen Kreislauf von Begierde und Leiden.

Christus aber hat diesen Kreislauf durchbrochen. Der erste Adam griff nach der Lust und fand den Schmerz; der neue Adam nahm den Schmerz an und öffnete den Weg zur wahren Freude. Er hat nicht versucht, dem Leiden auszuweichen, sondern er hat das Leiden freiwillig auf sich genommen. Am Kreuz hat er den Schmerz angenommen, ohne der Begierde nachzugeben, und so einen neuen Weg eröffnet.

Darum, liebe Brüder und Schwestern gilt: Das Fasten hilft uns, an diesem neuen Weg teilzuhaben. Wenn wir freiwillig auf manches verzichten, lernen wir, dass der Mensch „nicht vom Brot allein lebt, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt“ (Mt 4,4). Und wenn wir kleine Entbehrungen annehmen, beginnen wir aus dem Kreislauf von Lust und Schmerz herauszutreten. So wird das Fasten zu einem Weg der Heilung.

Das Fasten hilft uns, uns bewusst von der Logik dieser Welt abzuwenden und unser Leben wieder auf Gott auszurichten, der allein die bleibende Freude schenkt. Und wenn es uns schwerfällt, wenn es uns schmerzt oder quält, dann wollen wir dieses kleine Leiden als die Wehen unserer Wiedergeburt dankbar annehmen. Denn die Väter sagen: Wer das Kreuz freiwillig annimmt, beginnt schon jetzt die Kraft der Auferstehung zu erfahren.

Denn wenn wir das tun, liebe Brüder und Schwestern, erhalten wir Anteil an Ihm, der am Kreuz all unser Leiden auf sich nahm. Wenn wir das tun, erhalten wir Anteil an Ihm, der diese Welt überwunden hat (Joh 16,33). Wenn wir das tun, erhalten wir Anteil an Ihm, der in der Auferstehung die menschliche Natur verklärt und sie zum Vater geführt hat. Wenn wir das tun, beginnt sich auch in uns das Wort des Herrn zu erfüllen:

„Siehe, ich mache alles neu.“ (Offb 21,5)

Amen.


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