Im Fasten rollen wir den Stein der Leidenschaften von unserem Herzen. (Predigt am Sonntag der Vergebung)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Liebe Brüder und Schwestern

Im heutigen Auferstehungsevangelium (Lukas 24, 1-12) wurden wir Zeugen, wie die Myrrhenträgerinnen den Stein vom Grab weggewälzt fanden – und wie ihnen gerade dies die Erfahrung der Auferstehung des Herrn ermöglichte. Wie passend ist dieses Evangelium heute, da wir vor den Türen des Grossen Fastens stehen.

Was ist der Sinn des Fastens anderes als den Stein von unseren Herzen wegzuwälzen, damit der Herr dort einziehen und uns in die Erfahrung seiner heiligen Auferstehung hineinnehmen kann? Und gross ist dieser Stein – gebaut aus unseren Leidenschaften: gebaut aus unserem Unwillen, aufzuhören, unser Heil in Sex, Geld oder Essen zu suchen – kurz: in den vergänglichen Dingen dieser Welt, die uns doch nie erfüllen können. Gebaut aus unserem Ärger oder gar Hass gegenüber unserem Nächsten, der unseren Frieden vermeintlich stört. Gebaut aus unserer Angst, es könnte uns etwas geschehen, Gott habe uns vergessen. Vor allem aber gebaut aus unserem Stolz auf unsere Klugheit, unsere richtige Gesinnung, unsere Frömmigkeit.

Die Fastenzeit eröffnet uns den Weg, diesen Stein wegzurollen: im Umgeisten suchen wir unser Heil nicht mehr in der Welt, sondern dort, wo es wirklich zu finden ist: bei Gott. In der Barmherzigkeit und im Vergeben lernen wir, im Nächsten wieder das Abbild Gottes zu sehen. Im Gebet finden wir Frieden in der Zuversicht auf den Herrn, der sogar die Haare auf unserem Haupt zählt. Und zur Demut führt uns die Einsicht, dass wir ohne Gott nicht sind und nichts vermögen. Gerade diese Einsicht ist die besondere Frucht des Fastens. Denn auch im Fasten können wir den Stein nicht ohne Gottes Hilfe wegrollen.

Dennoch müssen wir festhalten: Gott nimmt den Stein nicht wundersam aus unserem Herzen. Er hat den Weg freigemacht, indem er den Stein des Todes von unserem Leben genommen hat. Aber er erwartet unsere Mitarbeit an unserem Heil. Damit unser Heil ein Akt der Liebe und von Bestand ist, muss es freiwillig gesucht werden.

So wollen wir am Montag mit Freude durch die Tür des Umgeistens eintreten. Und wir wollen nicht wie die Apostel an der Heilsbotschaft zweifeln, sondern im Vertrauen auf die Hilfe Gottes beginnen, den Stein unserer Leidenschaften wegzuwälzen – auch wenn er uns zu gross und zu schwer erscheint. Denn Gott selbst hat den entscheidenden Stein bereits weggewälzt, und der Ruf ist bereits ergangen:

Christus ist auferstanden!

Amen.


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