Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Liebe Brüder und Schwestern,
der frühe alexandrinische Kommentator Ammonius bietet eine geistliche Deutung des soeben gehörten Evangeliums (Johannes 21: 1-14) an. Er schreibt:
«Das ist die ganze Bedeutung dieser Passage: Diejenigen, die ihre Arbeit in der Finsternis vollendeten, hatten niemanden in ihren Netzen gefangen und konnten sie nicht vor der Täuschung durch die Dämonen bewahren. (…) Als aber die Sonne der Gerechtigkeit kam – das heisst derjenige, der nach der Erlösung der Menschheit hungert –, (…) befahl er ihnen, das Wort des Evangeliums, also die Lehre, auf die rechte Seite des Bootes auszuwerfen. Man kann verstehen, dass Gesetz und Propheten ihre Worte auf der linken Seite ausgeworfen hatten. Durch die Gnade dessen, der den Befehl gab, zogen die Jünger viele heran.»
Ammonius erinnert uns daran, dass alles Handeln der Apostel – und durch sie alles Handeln der Kirche – nur möglich wurde durch das Kommen der Sonne der Gerechtigkeit: durch den Logos selbst, der am Ende der Zeiten Mensch geworden und zu uns gekommen ist. Nicht menschliche Anstrengung, nicht Technik oder Erfahrung allein bringen Frucht, sondern das gnadenhafte Gegenwärtigwerden des Herrn selbst. Diese Erinnerung ist heute besonders bedeutsam, da wir uns auf das Hochfest der Taufe Christi vorbereiten, das auch Gotteserscheinung genannt wird. An diesem Fest feiern wir, dass der Herr sich zu Beginn seines öffentlichen Wirkens nicht nur als Messias, sondern als wahrer Gott offenbart – vor aller Zeit Teil der heiligsten Dreiheit.
Diese Herabkunft Gottes selbst, diese freiwillige Erniedrigung, ist die Voraussetzung unserer Errettung. Wie seine Gegenwart und sein Wort den Jüngern den Fischfang ermöglichten, so ist es seine immer neu geschenkte Gegenwart in der Kirche, die auch heute Leben schenkt. Wie Christus in seiner Taufe in das Wasser hinabsteigt, die Natur der Schöpfung heiligt und die Welt wieder zugänglich macht für die Verklärung, so lässt er uns auch in den Mysterien der Kirche an dieser geheiligten Wirklichkeit teilhaben: nicht indem sich sein einmaliges Heilswerk wiederholt, sondern indem der Heilige Geist uns immer neu in die eine, rettende Gegenwart Christi hineinführt.
Dasselbe geschieht auch in der Wasserweihe, die wir morgen und übermorgen feiern werden. Sie ist kein magischer Akt der Kirche, kein Ritual mit automatischer Wirkung. Sie ist Frucht der erneuten Herabkunft Gottes selbst, des Heiligen Geistes, der durch das Wasser an unserem Leben teilhaben und es verwandeln will. Der Herr schenkt uns dabei nicht nur sich selbst – er gibt uns zugleich die Welt zurück als Ort und Werkzeug der Gemeinschaft mit ihm.
Darum wollen wir uns, liebe Brüder und Schwestern, zunächst freuen. Freuen über das unverdiente Geschenk, das der Herr uns auch in diesem Jahr wieder macht. Und wir wollen diese Freude nicht festhalten, sondern verwandeln: in Antwort, in Kommunion, in Austausch. Wir antworten auf seinen Segen, indem wir ihm Zeit schenken – im Gebet, in der Kirche und zuhause –, als angemessene Gegengabe seiner Gnade. Und wir wollen mit ihm zusammenarbeiten, damit dieser Segen in unserem Leben Frucht trägt. Denn der Herr will nicht nur unsere Wohnungen segnen, sondern die Leben, die in ihnen gelebt werden, verwandeln und verklären. Dazu braucht es unsere Mitwirkung: dass wir unser Leben an seinen lebensschaffenden Geboten ausrichten.
Wenn wir so seinen Segen mit Segen beantworten, wird er lebendig in uns, und es erfüllt sich das Wort des heutigen Kondakions, das den Herrn Selbst sprechen lässt: «Mich nun zu taufen, zage nicht; denn leiblich kam ich in diese Welt, um ganz zu erretten Adam, den Erstgebildeten.» Amen.
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